Spachtel, Anschlüsse, Oberflächen

Korrekt gespachtelte Fugen garantieren planebene, perfekte Oberflächen.

Praxisbericht

Chance für das Stuckateurgewerbe

Qualitätsstufen Q3, Q4 - was tun?

Es geschah täglich auf Baustellen. Der Maler hatte Trockenbauflächen mit einem Anstrich oder einem Wandbelag versehen und es zeichneten sich die Fugen oder Ungleichmäßigkeiten in der Oberfläche ab. Maler, Architekten oder Bauherren beanstandeten die Oberflächenqualität und schuld war der Trockenbau-Fachunternehmer. Der Streit war vorprogrammiert. Aber Gott sei Dank, das ist ja nun Geschichte. Darüber wird allenfalls an Trockenbaustammtischen erzählt. Denn seit gut zwei Jahren gibt es das überarbeitete Merkblatt Nr. 2 „Verspachtelung von Gipsplatten Oberflächengüten“, das dem Architekten vorgibt, wie er ausschreiben soll und dass er nicht mehr „malerfertig“ oder „streiflichtfrei“ schreiben darf. Dem Fachunternehmer wird gesagt wie die Ausführung erfolgen soll. Das liest sich wie eine Erfolgsstory. (Soweit die Theorie.) So und dann hat ein Architekt die Stirn, wirklich Q3 oder Q4 auszuschreiben. Was tun?

Ausschreibung

Zuerst einmal den Ausschreibungstext samt Kleingedruckten genau lesen, ob auch alle notwendigen Informationen enthalten sind. Denn bei Q3 sollte der Ausschreibende, bei Q4 muss er angeben, welche Endbeschichtung oder -bekleidung auf die Flächen gebracht werden soll und wie die Lichtbedingungen (natürliches Licht - Fenster, künstliches Licht - welche Leuchten) auf die Fläche wirken. Beide Angaben sind wichtig bzw. notwendig um dem geforderten Anspruch gerecht zu werden. Zum einem gibt es innerhalb der einzelnen Qualitätsstufen eine Qualitätsbandbreite, zum anderen erfordern bestimmte Beschichtungen oder Bekleidungen spezielle Untergrundbedingungen. Das heißt nicht, dass der Trockenbauer die Arbeit des Malers machen muss. Je genauer die Ausschreibung ist, desto sicherer ist das Ergebnis, denn alle Anbieter müssen das Gleiche leisten. Und um das Ergebnis geht es ja letztlich.

Q3

Wie kann man nun die höherwertigen Qualitätsstufen sicher erzeugen? Was sagt das Merkblatt Nr. 2 bei Qualitätsstufe Q3? „Werden erhöhte Anforderungen an die gespachtelte Oberfläche gestellt, sind zusätzliche über Grund- und Standardverspachtelung hinausgehende Maßnahmen erforderlich.“ Bei Q3 verlangt das Malerblatt, dass ausgehend von Q2 die Fuge breit ausgespachtelt und vollflächig mit einem Spachtelmaterial scharf abgezogen werden muss (Porenverschluss der Kartonoberfläche). Ziel ist, mit dem Spachtel Übergänge im Fugenbereich zu beseitigen und gleichzeitig die Saugfähigkeit der Oberfläche zu vereinheitlichen, eine Grundvoraussetzung für die Endbeschichtung. Ideal dafür ist das verarbeitungsfertige Material Knauf Readygips. Hohe Geschmeidigkeit, gut schleifbar und Top Oberfläche. Besonders effizient lässt sich dies durch maschinelle Applikation der Spachtelmasse ausführen. Readygips ist hervorragend airless zu spritzen. Gleichmäßiger Auftrag und Höllentempo sind garantiert. Noch sicherer und geeigneter für eine „gute“ Q3 Qualität ist die „Knauf-Variante“ unter Verwendung von Knauf Spezialgrund.

Knauf Spezialgrund

Bei Spezialgrund handelt es sich um eine hochgefüllte, weißpigmentierte Grundierung auf Basis einer speziellen Dispersion. Der hohe Füllgrad lässt Schleifspuren verschwinden, die weiße Pigmentierung sorgt für eine optische Vereinheitlichung der Trockenbauflächen. Der farbliche Kontrast zwischen Spachtelmasse und Karton wird ausgeglichen. Das Besondere aber ist das Bindemittel, es sperrt gegen Wasser aus dem Beschichtungsstoff ab, so dass keine Quell- und Schwindprozesse im Untergrund mehr ausgelöst werden.

Q4 - Variante 1

Immer häufiger wird die Qualitätsstufe Q4 ausgeschrieben. Das hängt zum einem mit der Transparenz der modernen Architektur zusammen. Viel Glas und glatte Flächen. Stündlich ändern sich die Lichtverhältnisse auf den Oberflächen. Zum anderen gibt der aktuelle Trend feinstrukturierte bis extrem glatte Oberflächenbeschichtungen oder -bekleidungen vor. Die Wand oder die Decke trägt heute Stuccco lustro, eine Lasur oder zumindest einen feinstrukturierten mit mittlerem Glanzgrad. Das Merkblatt Nr. 2 sieht für Q4 vollflächiges Beschichten mit einem geeigneten Spachtelmaterial, also genau genommen einem Dünnputz, vor. Jetzt schlägt die Stunde des Stuckateurs. Keiner ist prädestinierter dafür, diese Arbeiten umzusetzen. Ausführen kann man Oberflächen nach Q4 ausgehend von einer Q2-Verspachtelung, mit zwei Materialien, wobei empfehlenswert ist, bei der Verspachtelung einen Fugenbewehrungsstreifen einzusetzen um größt mögliche Risssichherheit zu erreichen. Bei der einen Variante geht man von einer verarbeitungsfertigen, pastösen Spachtelmasse aus, wie zum Beispiel Readygips. Die Spachtelmasse ist in einer Schichtdicke von mindestens 1 mm aufzuziehen und bestmöglich zu verteilen. Nach dem Austrocknen muss man Bearbeitungsspuren abschleifen. Anschließend zieht man dann das gleiche Material noch einmal dünn auf, um restliche Unebenheiten auszugleichen. Mitunter muss noch einmal nachgeschliffen werden. Die bereits erwähnte maschinelle Applikation kann sich hier besonders verdient machen.

Q4 - Variante 2

Die zweite Variante geht schon eher in Richtung Stuckateurarbeit und stellt bei fachgerechter Ausführung sicher das Optimum dar. Zur Feuchtigkeitssperrung sollte der Untergrund mit Knauf Putzgrund vorbehandelt werden. Anschließend wird der gipsgebundene Spachtelputz Knauf Multi-Finish in 2 - 3 mm Schichtdicke aufgezogen, optimal verteilt und in mehreren Glättgängen abgeglättet. Bei Bedarf kann durch dieses „Abstucken“ eine glänzende Oberfläche erzielt werden, die geschützt mit Wachs auch als Endfläche höchsten Ansprüchen genügt. Grundvoraussetzung dafür, dass das alles auch wirklich funktioniert ist, dass diese Arbeiten unter den in der Endnutzung vorhandenen Lichtbedingungen erfolgen. Wie anfangs erwähnt, muss diese der Architekt in der Ausschreibung benennen. Tut er es nicht, ist es mehr als zweckmäßig, sich die notwendigen Informationen vor Arbeitsbeginn zu beschaffen. Je nach Endbeschichtung sind die fertigen Oberflächen systemkonform zu grundieren. Sollen Lackierungen aufgebracht werden sind eventuell weitere Vorarbeiten notwendig. Nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle, dass selbst eine Fläche der Qualitätsstufe Q 4 immer noch ein Produkt handwerklicher Tätigkeit ist. Die Möglichkeit von Abzeichnungen der Plattenoberfläche und Fugen wird minimiert. Unerwünschte Effekte (z.B. wechselnde Schattierungen auf der Oberfläche bei Streiflichteinfall oder minimale örtliche Markierungen) werden weitgehend vermieden - so beschreibt das Merkblatt die Minimalanforderung.

Die Qualitätsstufen Q3 und Q4 müssen gezielt ausgeschrieben werden, damit der notwendig höhere Aufwand auch vergütet werden kann. Wer hier fahrlässig oder mangels Kenntnis billig anbietet und ausführt, wird bei der Abnahme Probleme bekommen. Dies ist eine Chance für die Mitgliedsbetriebe des deutschen Stuckateurgewerbes, die Spreu wird sich vom Weizen trennen.